Prüfbericht
smartkündigen.de auf dem Prüfstand
Was uns hinter der Fassade und beim Testanruf aufgefallen ist
Von Leonie Kluge, 9. September 2026

smartkündigen.de wirbt damit, Kündigungen von Abos und Verträgen schnell und bequem zu erledigen. Auf den ersten Blick wirkt der Dienst modern und vertrauenswürdig. Wir wollten wissen, was dahintersteckt, und haben den Anbieter einem Praxistest unterzogen, inklusive eines Testanrufs. Das Ergebnis hat uns alarmiert.
Die Fassade: Modernes Design, unklare Kosten
Die Website macht einen seriösen Eindruck. Klare Sprache, professionelles Layout, Versprechen wie sofortige Kündigung und rechtssichere Zustellung. Doch schon beim genauen Lesen fällt auf: Die tatsächlichen Kosten des Dienstes sind schwer zu finden. Erst tief im Bestellprozess oder im Kleingedruckten wird klar, dass es sich nicht um eine einmalige Dienstleistung handelt, sondern dass hier Abos im Spiel sind.
Der Testanruf: Druck und Angstmache

Beim Testanruf zeigte sich, was wir für das eigentliche Geschäftsmodell halten. Statt unserer einfachen Frage nach einer Kündigung nachzugehen, wurde uns am Telefon eindringlich eingeredet, wir müssten unbedingt ein Abo abschließen. Der Mitarbeiter behauptete, nur mit diesem Abo sei die Kündigung überhaupt wirksam möglich.
Als wir nachfragten, wurde der Ton schärfer. Es wurde mit angeblichen Konsequenzen gedroht: Die Kündigung würde sonst verpuffen, der Vertrag würde sich automatisch verlängern, und wir hätten dann ein großes Problem. Solche Aussagen erzeugen gezielt Angst, und das ist aus unserer Sicht unseriös.
Unsere Warnung
- Niemand muss ein Abo abschließen, um einen Vertrag zu kündigen.
- Lassen Sie sich am Telefon nicht unter Druck setzen und legen Sie im Zweifel einfach auf.
- Prüfen Sie Abbuchungen, wenn Sie den Dienst bereits genutzt haben, und widerrufen Sie gegebenenfalls.
Kosten und Kleingedrucktes

Was beworben wird wie eine einfache Einmalhilfe, entpuppt sich im Kleingedruckten als Abofalle. Wer nicht genau liest, schließt womöglich ein laufendes Abonnement ab, das sich regelmäßig verlängert. Gerade bei einem Dienst, der Kündigungen verkauft, ist das besonders perfide: Man will ein Abo loswerden und hat am Ende ein neues am Hals.
Was rechtlich gilt
Die gute Nachricht: In Deutschland können Sie Verträge in fast allen Fällen kostenlos selbst kündigen. Seit März 2022 gilt zudem, dass Abos nach der ersten Laufzeit jederzeit mit einem Monat Frist kündbar sein müssen, und viele Anbieter müssen online einen Kündigungsbutton bereitstellen. Kein Verbraucher ist auf kostenpflichtige Kündigungsdienste angewiesen, und erst recht nicht auf ein Abo eines solchen Dienstes.
Wer bereits ungewollt ein Abo abgeschlossen hat, sollte den Vertrag schriftlich widerrufen und kündigen, die Frist dafür beträgt bei Fernabsatzverträgen in der Regel 14 Tage. Bei Abbuchungen per Lastschrift hilft die Bank bei der Rückbuchung.
Unser Fazit
Hinter der glänzenden Fassade von smartkündigen.de steckt aus unserer Sicht ein Modell, das auf Druck und Verunsicherung setzt. Am Telefon wurde uns Angst gemacht, um den Abschluss eines Abos zu erreichen. Wir raten klar von der Nutzung ab. Kündigen Sie lieber selbst, direkt beim Anbieter, schriftlich und mit Bestätigung. Das ist kostenlos, rechtssicher und dauert meist nur wenige Minuten.
Tipps für Betroffene
- Widerrufen Sie den Vertrag schriftlich, am besten per Einschreiben oder E Mail mit Lesebestätigung.
- Kündigen Sie zusätzlich vorsorglich zum nächstmöglichen Zeitpunkt.
- Kontrollieren Sie Ihr Konto auf Abbuchungen und lassen Sie unrechtmäßige Lastschriften zurückbuchen.
- Berichten Sie unseriöse Anrufe der Bundesnetzagentur und den Verbraucherzentralen.